Stellungnahme der INTHEGA zum Schlussbericht der Enquete-Kommission “Kultur in Deutschland” des Deutschen Bundestages

6. April 2009

1.

Die Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen (INTHEGA) begrüßt, dass der Deutsche Bundestag der Kultur in Deutschland durch das Einsetzen einer Enquete-Kommission besondere Beachtung geschenkt hat. Die Kommission legte im Dezember 2007 ihren Schlussbericht vor, in dem sie unter anderem für die “Sicherung der kulturellen Infrastruktur” plädiert.

2.

Im Abschnitt “Theater” werden die öffentlich rechtlichen Staats-, Stadt- und Landestheater, die Kinder- und Jugendtheater sowie die Freien Theater behandelt. Unberücksichtigt bleiben jedoch die privaten Theater, darunter die mit privatem Angebotsrisiko arbeitenden Tourneetheater und Gastspieldirektionen. Sie sichern mit mehreren Tausend Aufführungen zusätzlich das seit über 50 Jahren in Deutschland aufgebaute System der Städte mit Theatergastspielen ab. Die Kommission anerkennt dieses System und verweist dabei ausdrücklich auf die in ihm wirkenden Initiativen der INTHEGA: “Sie setzt sich für den Erhalt der Vielfalt und für die eigenverantwortliche Gestaltung der Theaterprogramme durch die kommunalen Träger und Veranstalter ein.”

3.

Im Abschnitt “Kultur in ländlichen Regionen” wird der Staat zur Förderung der kulturellen Vielfalt aufgerufen. Der größte Teil der kulturellen Aktivitäten wird hier aber den Vereinen und Initiativen zugeschrieben, die von bürgerschaftlichem Engagement und ehrenamtlichen Kräften getragen werden. Anders als in Großstädten verweist die Kommission darauf, dass in ländlichen Regionen, in denen 70 Prozent der Bevölkerung Deutschlands leben, von Kulturangeboten wie von Angeboten der kulturellen Bildung und des klassischen Repertoires “nur bestimmte Teile der Bevölkerung” angesprochen werden.

Die INTHEGA sieht im Gegensatz zur Enquete-Kommission auch in ländlichen Regionen in qualitativ hochwertigen Kulturangeboten eine Verpflichtung gegenüber diesem Großteil der deutschen Bevölkerung. Sie vertritt als anerkannte Berufsgenossenschaft diejenigen hauptamtlichen Kräfte der Kommunen, deren Tätigkeit sowohl die Betreuung und Koordination der bürgerschaftlichen Initiativen als auch die Gestaltung professioneller Kulturprogramme ist.

Fazit:

Die INTHEGA trägt die Verantwortung für die Sicherung der kulturellen Infrastruktur außerhalb der Kulturzentren und für die dabei anfallenden Aufgaben kultureller Bildung. Nach dem grundsätzlich begrüßenswerten Schlussbericht der Enquete-Kommission “Kultur in Deutschland” sieht sie zusätzlichen Handlungsbedarf. Sie wird deshalb mit besonderem Engagement ihre in der Mitgliederversammlung am 6. Mai 2008 in Hürth verabschiedeten Leitlinien “Engagiert für das Theater in der Fläche” der Öffentlichkeit, insbesondere allen politischen Gremien des Bundes, der Länder und der Kommunen, bekannt machen und für deren Verwirklichung eintreten.